Die Kampfkünste in China und seinen Nachbarländer

Die Anfänge der Kampfkünste in China reichen weit zurück. Die schriftlichen Aufzeichnungen sind spärlich vorhanden, lassen aber die frühe Vielfalt erahnen. Um 2600 v.Chr. wird das erste Mal eine Kampfkunst erwähnt: Jiao Di, das der Kaiser Huangdi für seine Soldaten entwickelt hat. Konfuzius schrieb über Kampfkünste in seinen Aufzeichnungen im 5. Jh. v. Chr. Es wurde auch ein Stil mit sehr ähnlichen Übungen, wie das heutige Tai Chi Quan sie beinhaltet, praktiziert.

Die Kampfkünste haben sich nicht isoliert in China entwickelt, sondern wurden von verschiedenen Meistern aus anderen Ländern mitgestaltet. So brachte, laut Legende, die etwas umstritten ist, der indische Mönch Bodhidharma (in China Da Mo genannt) von Südindien Kampfübungen und den Zen-Buddhismus mit. Auch Dschingis Khan hielt seine Krieger mit der Kampfkunst Böke (mongolisches Ringen) in Form.

Ein Austausch zwischen China und Japan fand, hauptsächlich über die Insel Okinawa, statt. Meister der einzelnen Kampfkünste starteten Forschungsreisen und der Handel brachte nicht nur Güter, sondern auch neues Kampfkunstwissen mit.

Wu Shu

Wurde in China als Oberbegriff für Kampfkünste verschiedenster Art verwendet.

Das Land China hat in seiner Geschichte immer wieder Überfälle von außen und interne Machtkämpfe erlebt. Dies hat viele Kriege verursacht und die chinesische Kampfkunst schon vor mehreren tausend Jahren dazu gebracht sehr fortschrittlich zu werden. Die Worte „Wu Shu” (in Mandarin) bedeuteten ursprünglich: „die Techniken, um einen Krieg zu stoppen“.

modernes Wu-Shu

Ist ein Oberbegriff für verschiedene Kampfkünste, die nach 1949 von der Regierung der Volksrepublik China zusammengestellt wurden und beinhaltet einige alte traditionelle und neu geschaffene Formen. Modernes Wu-Shu ist auf akrobatische Elemente, Körperbeherrschung und Dynamik ausgerichtet. Nur am Rande beachtete Aspekte sind: der Wirksamkeitsgrad bei der Selbstverteidigung oder im Kampf und die Einflüsse von Meditation, Qigong, Philosophie und ähnlichem.

Hierdurch ist modernes Wu-Shu bei einigen Anhängern traditioneller Stiele nicht sehr angesehen.

Kung Fu

Kung Fu bedeutet in der chinesischen Sprache ursprünglich: „etwas durch harte Arbeit erreichtes“ dies kann sich auf alle möglichen Arbeiten oder Techniken beziehen. Heute wird dieser Begriff sowohl im chinesisch sprachigen Raum, wie auch in der westlichen Welt für verschiedene chinesische Kampfkünste verwendet.

Heute lassen sich die modernen chinesischen Kampfkünste in verschiedene Gruppen einteilen:

-eine Unterscheidung von inneren / weichen Stielen und äußeren / harten.

-eine Gruppierung nach geographischen Gebieten in nördliche und südliche Stiele. Der Fluss Jangtsekiang ist hier die Trennlinie.

Kampfsport und Kampfkünste

Kampfkunst vermittelt Techniken und Fertigkeiten für eine körperliche Auseinandersetzung mit einem oder mehreren Gegnern, meist mit dem Ziel, ihn möglichst schnell kampfunfähig zu machen. Verschiedene Stiele lassen auch Aspekte wie der Philosophie, Kultur und Gesundheit einfließen. Einige Stiele werden heute noch zur Ausbildung bei Militär und Sicherheitskräften unterrichtet.

Kampfsport ist ein Vergleichskampf unter Gegnern mit einem Regelwerk (z.B. es werden nur bestimmte Techniken erlaubt). Der Sport steht im Vordergrund. Jeder Teilnehmer versucht einen möglichst positiven Punktestand für sich zu erzielen.

Haben diese Kampfkünste Einfluss auf Wing Tsun genommen?

Die Kampfkünste in China entwickelten sich stets weiter und passten sich veränderten Bedingungen an. Durch Handelsbeziehungen und Forschungsreisen gelangte Kampfkunstwissen von China in die Nachbarregionen und umgekehrt. So sind die aller wenigsten Kampfkünste frei von „äußeren“ Einflüssen durch andere Stiele. Teilweise wurden sogar bewusst mehrere Kampfkünste zusammengefasst (siehe modernes Wu Shu).

Xing Yi Quan

In Nordchina ist diese innere Kampfkunst sehr verbreitet. Sie zeichnet sich durch eine direkte schnörkellose Art aus mit explosiver Kraftentladung. In dieser Kampfkunst möchte man schnell in Kontakt mit dem Gegner treten und ihn mit einer Kombination besiegen.

die Leitgedanken sind:

Der Gegner soll aus dem Gleichgewicht gebracht werden, während man selbst im Gleichgewicht bleibt.

Das Handeln, Zuschlagen und Denken als eine Einheit zu sehen.

Den Gegner mit Geräuschen schockieren und mit Angst erfüllen.

Tai Ji (Tai-Chi, Tai Qi)

Ursprünglich wurde die Kampfkunst von ihrem Begründer als Selbstverteidigung eingesetzt. Im laufe der Zeit trat diese immer mehr in den Hintergrund und heutzutage wird der Gesundheitsaspekt in den Vordergrund gestellt. Die raschen, kraftvollen Bewegungen zum Drehen und Zustechen wichen immer mehr den langsamen rhythmischen Bewegungen, die die Lebensenergien fließen lassen sollen. Die hohe Konzentration zur korrekten Ausführung der einzelnen Bewegungen wirken sich positiv auf den Blutdruck aus; Muskelkraft und Koordination und Gleichgewicht werden gefördert.

In der Kampfkunst wird die Kraft den Gegnern nicht abgeblockt, sondern abgelenkt und umgeleitet.

Es wird im Training Wert auf kontrollierte Bewegung, Gefühl und Geschick und nicht auf rohe Kraft gelegt.

Weng Tsun

Weißer Kranich

Stammt aus der Provinz Fujian und wurde von der Tochter eines bekannten Kampfkunstmeisters entwickelt, die die Kampfkunsttechniken ihres Vaters und die geschickten und eleganten Bewegungen eines kämpfenden Kranichs miteinander ergänzte. Dieser Stiel enthält verschiedene Schläge gegen Körperteile wie Schläfe und Kehle. Bei allen Kranichstilen werden die Sehnen, vor allem an den Unterarmen und Händen, stark trainiert und beansprucht.
Es kommen bemerkenswert häufig schnelle Bewegungen zum Einsatz.

Schlangen Kung Fu

Charakteristisch für das Schlangen Kung Fu sind die fließenden Bewegung einer Schlange, wobei die Kraft in der Wirbelsäule erzeugt wird und durch eine peitschende Bewegung bis in die Fingerspitzen gelangt. Die Ziele sind verletzliche Stellen wie Augen, Kehle und Genitalien. Viele andere asiatische Kampfkünste haben ganz ähnliche Fingertechniken, die unter Umständen aus dem Schlangen Kung Fu entlehnt wurden.

Ling Lom

Diese Kampfkunst schaut in Laos und Thailand auf eine lange Tradition zurück. Diese Kampfkunst beinhaltet Techniken aus dem heutigen Muay Tai in Methoden für den Bodenkampf. Eventuell haben frühe chinesische Kampfkünste Einfluss genommen, vor allem beiden Handtechniken, wie zum Beispiel Chuan Fa, eine chinesische Faustkampfkunst in der Tradition der Schaolin.

Ein Vergleich von Meister zu Meister hat gewisse Ähnlichkeiten erkennen lassen. Hinsichtlich der Form, Struktur und der Faustkampftheorien. Dabei wurde bemerkt, dass der Basis-Satz des Ling Lom auch ohne Schritt unterrichtet wird. Der Stand ist auch eng und der gerade Fauststoß wird auch aus der Mitte der Brust heraus gestoßen. Es gibt ähnlich kreisende Handbewegungen wie im Wing Tsun. Diese schauen etwas unterschiedlich aus, aber die bestimmten Eigenschaften sind vorhanden. Z.B. Tan-sao, Gan-sao, Fook-sao…..

Großmeister Leung Ting hat festgestellt, dass „die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Stielen kein Zufall sei“.

Japan

Karate

Diese, heute auch im Westen sehr beliebte Kampfkunst, hat sich aus verschiedensten chinesischen Kampfkünsten Inspirationen geholt. So weiß man über einige Gründer der verschiedenen Stilrichtungen des Karates, dass diese kurze oder auch längere Zeit in China gelebt haben oder dort auf Forschungsreisen gegangen sind. Hauptsächlich über Okinawa kamen neue Ideen auf die japanischen Hauptinseln und sind dort in verschiedene Stile des Karates eingeflossen.

Die Ursprünge sind unterschiedlich. Durch ein Verbot den Königs von Okinawa im Mittelalter Waffen zu tragen, entwickelte sich das Techniksystem des Karates ( „Leere Hand aus Okinawa“ ) Te = Hand. Es gibt Hinweise, dass verschiedene Techniken des Shaolin – Kung Fu hier Einfluss hatten. Die Kampfkunst Kobudo aus Okinawa gilt als ein Vorläufer des heutigen Karates.

Jiu – Jitsu

Aus der Zeit der Samurai stammt diese Kampfkunst, diese setzten sie für den unbewaffneten Kampf ein. Der Name bedeutet „die Kunst der Weichheit“, aber sie ist darauf ausgelegt den Gegner so schnell wie möglich kampfunfähig zu machen, hier wird oft die Energie, das Gewicht und der Schwung des Gegners ausgenutzt.

Judo

Judo ist aus mehreren Jiu-Jitsu-Schulen entstanden. Sein Begründer (ein kleinerer Mensch) hat eine Kampfkunst entwickelt, die ihn in die Lage versetzte vor allem größere Gegner zu Boden zu befördern. Es spielen Wurftechniken eine große Rolle, durch die dem Judoka die Möglichkeit zu einem Hebel oder Würger gegeben werden soll

Judo ist ein Selbstverteidigungssystem, das aber auch Wettkämpfe kennt, hier sind dann Fauststöße und Schläge aber nur beim Kata-Wettbewerb erlaubt.

Korea

Taekwondo

Die Ursprünge finden sich vor ca. 2000 Jahren in Korea (koreanisch: „Der Weg von Hand und Fuss.“). Heute kennen wir es als Kampfsport, wie auch als Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Die heutige Form erhielt es von General Choi Hong Hi und dem Einfluss einiger Kampfkünste.

Großen Einfluss auf die Techniken hatten zwei alte Stiele: Subak und Taekyon. Auch nordchinesische Boxsysteme haben ihre Spuren hinterlassen: z.B. der gesprungene Seitwärtstritt, damit wurden ursprünglich Krieger vom Pferd geholt.

Quellen:
Buch: Roots of Wing Tsun Leung Ting
Buch: Die Kunst des Kampfes Chris Crudelli
Wikipeida